Kunst in Köln

Architekt Peter ZumthorBruder Klaus KapelleArchitektur in KölnKölner Dom

Studienfahrt im September 2019

Seit Ende des letzten Schuljahres befassen wir uns im Kunstkurs von Frau Schwab mit den Bauten des Schweizer Architekten Peter Zumthor (*1943), der als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Architekten gilt. Berühmt wurde er mit der Therme in Vals, dem Kunsthaus Bregenz oder dem Kolumba-Kunstmuseum in Köln.

Zumthor beschreibt sein Architekturverständnis so: „Wenn Konstruktion, Funktion und Schönheit zusammenfallen, wenn sich alles so zusammenfügt, dass sich das Einzelne nicht mehr herauslösen lässt, dann stimmt ein Bau, dann hat ein Haus die Qualität eines Werkzeuges, ist damit also ein Ding, dessen Form uns selbstverständlich ist." Sein Stil ist minimalistisch und sehr klar.

Wir versuchten im Kurs, die Ideen und Gedankengänge hinter seiner Architektur nachzuvollziehen. Um ein noch besseres Gespür dafür zu bekommen, bekamen wir die Möglichkeit, für zwei Tage nach Köln zu fahren und dort zwei von ihm entworfene Gebäude zu besuchen: das Kolumba-Museum (das Kunstmuseum des Erzbistums Köln) und die Bruder Klaus-Kapelle. Es ist wichtig, selbst in einem Gebäude zu stehen, die Atmosphäre selbst zu erleben, um sich einen eigenen Eindruck verschaffen zu können.

In der Stadt starteten wir zuerst mit einem anderen Thema: Wir fotografierten auffallende und architektonisch interessant gestaltete Gebäude. Es war spannend, die Themen Fotografie - unser Schwerpunkt im letzten Jahr – und Architektur zu verbinden und etwas praktisch ausarbeiten zu können.

Im Museum Ludwig, das als eines der bedeutendsten Kunstmuseen Europas Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts sammelt und zeigt, erlebten wir die um­fan­greich­ste Pop-Art-Kollek­tion Eu­ro­pas, die dritt­größte Pi­cas­so-Samm­lung der Welt und Werke des Ex­pres­sion­is­mus. Während des Abendessens bei „Hans im Glück“ hatten wir die Gelegenheit über die gesehenen Werke zu diskutieren.

Am Samstag ging es früh mit dem Bus los: Die Bruder Klaus-Kapelle ist 40 Minuten von der Stadt entfernt, in Mechernich. Die dem heiligen Nikolaus von Flüe gewidmete Feldkapelle soll ein Ort der Stille, der Meditation und des Gebetes sein. Man muss einen langen Fußweg gehen, um dorthin zu gelangen. Dadurch soll der Besucher zur Ruhe kommen. Er soll aber auch die Zeit erfassen, die für den Bau dieser Kapelle gebraucht wurde.

Ein schlichter Turm steht in einer schlichten Landschaft. Je nach Perspektive ändert der fensterlose Block auf einem fünfeckigen Grundriss seine Form, entsteht ein neuer Fokuspunkt. Wenn man ankommt, fallen außergewöhnliche Details auf: Der Baukörper ist aus Stampfbeton, der in 24 Tagen in 24 Schichten von einer Stampfmannschaft zu einer Höhe von 12 Metern geschichtet wurde. Auf den ersten Blick wirkt die Kapelle sehr verschlossen - bis man durch die Dreieckstüre geht und das Innere betrachtet. Der Raum ist klein und dunkel, die einzige Lichtquelle ist das Loch in der Decke. Der Raum ist eng und nach oben zugespitzt, gleichzeitig fühlt man sich aber nicht eingeengt: Dies ist typisch für die Bauten Peter Zumthors. Er hat einen Ort geschaffen, an dem man nachdenken kann. Durch die spezielle Konstruktion der Kapelle kommt eine aufregende Struktur der Wand zustande: Man sieht noch die Struktur der Fichtenstämme, die für die Holzverschalung notwendig waren.

Auffällig an Zumthors Baustil ist, dass er Jahre lang plant, gleichzeitig sich viel Freiraum lässt und am Ende alles seinen Sinn und eine Funktion hat. Ein Beispiel sind die mundgeblasenen Glaskugeln an der Innenwand. Sie verschließen die Löcher, die nach dem Entfernen der Holzverschalung für die Betonwände zurückgeblieben sind. Sie brechen das Licht und erzeugen ganz besondere Effekte. Die Kapelle ist sehr beeindruckend. Man weiß nicht, was einen erwartet, wenn man sie von außen sieht und man ist fasziniert, wenn man selber die Atmosphäre innen erleben kann.

Am Mittag besuchten wir das Kolumba-Museum. Antonia berichtete uns über die Entstehungsgeschichte des Museums und führte uns durch den Ausgrabungsraum. Das Gebäude ist auf den Resten der zerstörten romanischen Kirche St. Kolumba gebaut. Die Ruine der Kirche ist im wiederaufgebauten Köln ein eindrucksvolles Bild für den fast vollständigen Untergang der Stadt im Zweiten Weltkrieg. In ihrer Mitte entstand 1949 die Kapelle der „Madonna in den Trümmern“.

Zumthor baute einen Schutzraum für die historischen Reste und zugleich ein Museum, das kirchliche Kunst zeigt.  Er verwendete einen bestimmten Stein, den Kolumbastein und nutzte verschiedene Techniken, um den Bau schön und gleichzeitig funktional zu machen. Auffällig ist das Filtermauerwerk, das für ein gutes Klima im Ausgrabungsraum sorgt. Es gibt nur wenige Fenster. Innen ist alles sehr einfach, fast steril. Das erste Obergeschoss wird nur mit künstlichem Licht beleuchtet. Es hat eine ganz andere Atmosphäre und Lichtlenkung als das zweite Obergeschoss, mit seinen raumhohen Fenstern, welche es viel heller und offener wirken lassen.

Zumthor legt bei seinen Werken viel Wert auf die Eigenheiten des Ortes - das Gebäude soll später ganz im Einklang damit stehen - und auf die Wirkung der Innenräume.

Peter Zumthor wird auch „Architekt der Stille“ genannt. Nach diesen zwei Tagen kennen wir ihn viel besser. Es war schön, seine Räume einmal selbst erleben zu können. Für das Abitur-Thema „Architektur“ hatten wir mit dieser Fahrt eine perfekte Vorbereitung.

Eva Bernschneider und Anna Seeger, K2